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Verkehrssicherheit
Verkehrssicherheit
Dr. Dieter-Lebrecht Koch Die Verbesserung der Vekehrssicherheit ist zugleich eine europäische wie auch eine nationale Aufgabe, die das bewußte Mitwirken nicht nur der Politik sondern in ganz besonderer Art und Weise die Mitgestaltung jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers erfordert. Gegen die Erhöhung des Sicherheitsniveaus auf unseren Strassen dürfte angesichts der jährlichen Unfallstatistik mit mehr als 40 000 Toten und 1,7 Mio. z.T. schwer Verletzten, trotz leerer öffentlicher Kassen, wohl keiner etwas einzuwenden haben. Schließlich könnte jeder von uns bereits morgen ein Betroffener sein. Statistiken sagen nicht nur jährliche Strassenverkehrsunfallkosten in der EU von 160 Mrd. EURO voraus, sie prophezeihen jedem dritten Bürger mindestens einen Strassenverkehrsunfall während seines Lebens. Die Kommission hat in ihrem Weißbuch "Die europäische Verkehrspolitik bis 2010 : Weichenstellung für die Zukunft" darauf hingewiesen, daß der Strassenverkehr von allen Verkehrsträgern der gefährlichste ist. Dies ist gerade dahin gehend entscheidend, da das subjektive Empfinden ein ganz anderes ist und gleichzeitig ein ehrgeiziges Ziel besteht: Wir Europäer wollen die Zahl der Verkehrstoten bis 2010 auf ungefähr die Hälfte reduzieren. Hieraus erwächst eine ganze Serie von notwendigen Maßnahmen, die größtenteils im 3. Aktionsprogramm für Strassenverkehrssicherheit, welches ich sehr begrüße, ihren Niederschlag gefunden haben. Dieses Aktionsprogramm gilt es über neue Richtlinien und Verordnungen sowie über die Novellierung bestehender nach und nach, aber dennoch möglichst zügig, umzusetzen. Meines Erachtens ist die Kommission auf dem Weg in die richtige Richtung, aber eben zu langsam. Schließlich werden ab 1.5.2004 weitere 10 Länder der EU angehören und die bringen noch weit besorgniserregendere Unfalldaten mit. Ich möche heute nicht die über 80 Vorschläge des Aktionsprogrammes vorstellen und sie schon gar nicht bewerten. Ich möchte vielmehr nur auf einige wenige Initiativen der letzten Monate hinweisen. Als Berichterstatter meiner Fraktion konnte ich die Rahmenrichtlinie zur fußgängerfreundlichen Frontgestaltung der PKW maßgeblich beeinflussen. Das Ergebnis sind große Fortschritte, bezüglich kurzfristiger Auswirkungen, wie das strikte Verbot von Bullenfängern, und auch bezüglich angenommener langfristiger Herausforderungen für die Automobilindustrie, wie technische Entwicklungen in den Bereichen Tagesfahrlicht, Überwindung des toten Winkels bei Rückspiegeln, Einführung aktiver und passiver Sicherheitskomponenten u.a.m.. Ich komme aus Thüringen, dem Bundesland,
das vor wenigen Wochen den bisher längsten, aber auch so prognostiziert
sichersten Autobahntunnel Deutschlands eröffnet hat. Trotzdem ist es
für manche Fahrer eine erhebliche psychische Belastung den Tunnel zu
befahren. Heute bin ich beruhigt, ist es dem Europäischen Parlament über Änderungsanträge doch gelungen, den Richtlinienentwurf zu straffen, zu konkretisieren, neu zu strukturieren, zu entbürokratisieren und technische Vorschriften zu flexibilisieren. Essenzielle Sicherheitsaspekte blieben dabei nicht auf der Strecke. Im Gegenteil, sie konnten z.B. durch die Berücksichtigung der sicherheitsspezifischen Belange von Menschen mit Behinderungen eine sinnvolle und im europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen geradezu eine notwendige Ergänzung erfahren. Bleibt nur eine schnelle Umsetzung in nationales Recht und damit eine spürbar positive Auswirkung bei unseren Verkehrsteilnehmern - im Psychologischen wie im Realen - anzumahnen! Weitere Themen waren und sind die Sicherheitsgurte und Rückhaltesysteme für Kinder in allen Kraftfahrzeugklassen. Jüngste Ergebnisse der Unfallforschung beweisen es: 50% der tödlich verunglückten Fahrzeuginsassen waren nicht angeschnallt. Ich komme aus einer Region eines Staates, in der es vor 13 Jahren Kindersitze und Kinderrückhaltesysteme überhaupt nicht gab und Rollgurte schon zur Luxusausstattung der Fahrzeuge gehörten, die nach 10 - 15 jähriger Anmeldefrist ausgeliefert wurden. Das Ende der Entwicklungen darf noch nicht erreicht sein. Heutige Gurte und Rückhaltesysteme werden bezüglich Sicherheit, Komfort, Bedienung und Verarbeitung ausschließlich nach Frontal-Crash-Testergebnissen bewertet und erhalten fast durchweg gute Noten. Bei einem seitlichen Aufprall - immerhin sind ca. 70% aller tödlich verlaufenden Unfälle von Kindern auf Seiten-Crashs zurückzuführen - scheitern diese Systeme oftmals. Technische Weiterentwicklungen übrigens auch für nach der Seite gerichtete Sitze in Bussen sind notwendig. Abschließend möchte ich nur noch die Bestrebungen zur Harmonisierung bestimmter Sozialvorschriften im Strassenverkehr erwähnen. Hier ergeben sich Notwendigkeiten, die sich nicht nur aus sicherheits-, sondern auch aus wettbewerbsrelevanten Aspekten ableiten. Sie werden damit zum Schlüssel für die Lösung von Problemen mit Billiganbietern aus den Beitrittsstaaten sind. Auf den Gebieten der aktiven und passiven Strassenfahrzeugsicherheit hat sich eine rassante Entwicklung mit guten Ergebnissen vollzogen und wir sind noch lange nicht am Ende. Darüber hinaus dürfen wir aber auch nicht aus den Augen verlieren, daß es in Zukunft darum gehen muß 1. die Verkehrsteilnehmer zu einem vernünftigen Verhalten zu veranlassen |
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