|
|
||
Speeches: Hermann Grewer, President, IRU Goods Transport Council, Germany
Bereits im Jahr 2004 soll die EU
um die 10 Kandidatenstaaten Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen,
die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik, Ungarn und Zypern
erweitert werden. Aus Sicht des mittelständischen deutschen
Straßengüterverkehrs ergeben sich daraus Chancen, vor allem aber
Risiken. Und zwar für den Mittelstand in Ost und West. Grosse Risiken der EU-Erweiterung sehe ich allerdings für den Mittelstand: Hohe
Personal- und Sozialkostenunterschiede zwischen Ost und West, verbunden
mit der Möglichkeit eines freien Kapitalverkehrs, bergen die Gefahr,
dass der Mittelstand in Ost wie in West durch multinational agierende
Großspeditionen and die Wand gedrückt wird. Der „Feldversuch“ zum
Zusammenwachsen marktwirtschaftlicher Wirtschafts- mit sozialistischen
Zentralverwaltungsstrukturen bei Verwirklichung der deutschen Einheit
hat eines deutlich gemacht: Niedrigeres Lohn- und Sozialkostenniveau
reicht für wirtschaftlichen Erfolg im gemeinsamen Markt nicht aus. In
Deutschland beobachteten wir statt dessen einen starken Kapital- und
Know-how-Transfer von West nach Ost. Firmenübernahmen in den
Beitrittsgebieten durch westdeutsche Unternehmer verhinderten, dass
sich in Ostdeutschland ein überlebensfähiger Mittelstand
wunschgemäßentwickelte. Die auf Jahre hinaus hohen Personalkostenunterschiede zwischen Deutschland und den Beitrittsstaaten werden verhindern, dass sich für kleine und mittelständische Unternehmen mit Standort Deutschland Verkehre mit und in den Beitrittsstaaten erschließen lassen. Vielmehr wird die Konkurrenz auf den angestammten Märkten vornehmlich durch mit Wettbewerbsvorteilen ausgestatteter Megaflotten aus den Beitrittsländern im Besitz westeuropäischer Großspeditionen noch intensiver werden. Dadurch wird zahlreichen mittelständischen deutschen Unternehmen ihre Existenzgrundlage entzogen werden. Aber auch kleinen und mittelständischen Betrieben aus den Beitrittsländern bleibt in diesem Szenario nur die Rolle des schlecht bezahlten Subunternehmers oder Truckers.
Für eine im Hinblick auf die EU-Erweiterung für deutsche Unternehmen zu verfolgende Strategie gibt es kein Patentrezept. Im Einzelfall werden Schwerpunkte zu setzen sein in den Bereichen:
Sicher gibt es für den einzelnen Transportunternehmer in Deutschland neben den genannten Risiken auch Chancen. Allerdings können politische Versäumnisse nicht durch noch so ausgeklügelte unternehmerische Strategien ausgeglichen werden. Ich erwähne hier nur die noch immer ausstehende Harmonisierung der Wettbewerbsbedingungen im nunmehr wachsenden Binnenmarkt sowie die Problematik illegaler Beschäftigung und nicht ausreichender Kontrolle und Ahndung von grauen und illegalen Transporten. Wenn es zudem nicht gelingt, durch ein behutsames Vorgehen bei der Öffnung der Märkte – z.B. über eine mittelstandskonforme Kapazitätssteuerung – einen Dammbruch zu vermeiden, ist das „Big Bang-Szenario“ mit verheerenden Wirkungen für das Transportgewerbe nicht zu verhindern. Das kostet dann die Existenz vieler mittelständischer Transportbetriebe in Ost wie in West, die auf die Liberalisierung und Marktöffnung ebenso lange wie inständig gehofft haben. Der Wettbewerb wird den Markt nach Starken und Schwachen selektieren, wobei die Kapitalstärke ein entscheidender Wettbewerbsfaktor neben dem Know-how-Vorsprung sein wird. |
||||||
|
||||||